Vernissage TANZEN MIT DEM FEIND

Wann:
11. April 2024 um 19:00 – 22:30
2024-04-11T19:00:00+02:00
2024-04-11T22:30:00+02:00
Wo:
P.ART Galerie
Preis:
6,- / erm. 4,- €

TANZEN MIT DEM FEIND
Die Geschichte einer unbeugsamen Frau

12.04.2024 – 19.05.2024
P.ART Galerie
Kuratoren: Paul Glaser und Stefan-Maria Mittendorf
Vernissage: Do, 11.04.2024, 19.00 Uhr
Eintritt frei
Tanz Solo „Bolero“ mit Rosalie Wanka

Öffnungszeiten: ab 12.04.2024
Di – So 16.00 – 20.00 Uhr
Eintritt: 6,00 Euro / 4,00 Euro

Tanzen mit dem Feind – Die Geschichte

Das Leben der niederländischen Auschwitz-Überlebenden Roosje Glaser (1914-2000) steht im Mittelpunkt der dokumentarischen Ausstellung „Tanzen mit dem Feind“. Bei einem Besuch im Konzentrationslager Auschwitz im Jahr 1987 stößt der in Maastricht geborene und als Kind einer katholischen Familie aufgewachsene Paul Glaser auf einen Koffer, auf dem sein Familienname steht. Durch diesen Zufall entdeckt er neben seinen jüdischen Wurzeln auch die Lebensgeschichte seiner innerhalb der Familie verschwiegenen Tante Roosje.

Roosje wurde 1914 in Nijmegen geboren. Sie galt als eine emanzipierte und temperamentvolle Frau und leitete mehrere Tanzschulen, als die Nationalsozialisten 1940 die Niederlande besetzten. Als ihr Ehemann Leo sie als Jüdin denunzierte, begann Roosjes Leidensweg durch insgesamt sieben Konzentrationslager. Wieder und wieder wurde sie durch weitere „Freunde“ verraten und landete 1943 schließlich in Auschwitz. Nachdem Roosje 1945 medizinische Experimente, Folter und selbst zahllose Todesmärsche überlebt hatte, ging sie nach Stockholm und begann dort ein neues Leben.

Roosje Glaser war keine bekennende Jüdin, keine Widerstandskämpferin, die für ihre Ideale den Kopf hinhielt. Vielmehr zeichnet die Ausstellung die Geschichte einer unbeugsamen Frau nach, die mit dem Mut der Verzweiflung kämpfte. Für ihr Überleben spielten Musik und Tanz eine tragende Rolle. Tanzen bedeutete für Roosje ‚Leben‘; den, das Lager Auschwitz grausam Leitenden gab sie Unterricht in Standardtänzen. Anhand von Briefen, Tagebüchern, Dokumenten, originalen Fotoalben und Filmfragmenten werden Tragik und Zerrissenheit, aber auch die Leidenschaft der historischen Figur Roosje Glaser sichtbar. Durch ein multimediales Ausstellungsdisplay mit originalen Exponaten, atmosphärischen Gegenständen und Möbeln wird die damalige Zeit erlebbar. Neben der Biografie der furchtlosen Roosje wird aber auch anschaulich, dass „Auschwitz“ bis in die Lebensgeschichten der folgenden Generationen hineinreicht.

Grundlegend für die Ausstellung ist die 2015 auf Deutsch im Aufbau-Verlag erschienene Biografie „Die Tänzerin von Auschwitz“, die ihr Neffe Paul Glaser aus Roosjes Tagebüchern, Briefen und anderen Schriftstücken zusammenstellte. Die Ausstellung ist vom Museum „Herinneringscentrum Kamp Vught“ (Erinnerungszentrum Lager Herzogenbusch) erstellt worden. Die Ausstellung und ein umfangreiches Rahmenprogramm lassen uns darüber nachdenken, wie wir uns als „Zweitzeugen“ aufstellen und gegensteuern, wenn Rassismus, Antisemitismus und Nationalismus in unserer heutigen Gesellschaft wider erschreckende Ausmaße annehmen. (Stefan-Maria Mittendorf, Kurator)

Wie wir wurden, was wir sind
Interdisziplinäre Ausstellungsreihe über neue Formen der Erinnerungskultur 21.02. – 19.05.2024

In den Ausstellungen Generation Transmission, Picturedund „Tanzen mit dem Feind“, welche die Pasinger Fabrik unter dem Titel „Wie wir wurden, was wir sind“ zusammenfasst, beschäftigen sich sowohl bildende wie darstellende KünstlerInnen aus einander gegenüberliegenden Perspektiven mit prägenden Mustern nachfolgender Täter- wie Opfer Generationen. Worüber wurde in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg, der Shoah gesprochen und worüber wurde geschwiegen. Diese Erbschaft zwischen den Generationen lebt weiter als Geschichte in jedem von uns und bildet den Kern dessen, dem sich die Pasinger Fabrik, begleitet von einem reichhaltigen Rahmenprogramm, widmet.