TANZEN MIT DEM FEIND

Wann:
12. April 2024 um 16:00 – 19. Mai 2024 um 20:00
2024-04-12T16:00:00+02:00
2024-05-19T20:00:00+02:00
Wo:
P.ART Galerie
Preis:
6,- / erm. 4,- €

TANZEN MIT DEM FEIND
Die Geschichte einer unbeugsamen Frau

12.04.2024 – 19.05.2024
P.ART Galerie
Kuratoren: Paul Glaser und Stefan-Maria Mittendorf
Vernissage: Do, 11.04.2024  19.00 Uhr
Öffnungszeiten: ab 12.04.2024
Di – So 16.00 – 20.00 Uhr
Eintritt: 6,00 Euro / 4,00 Euro

Tanzen mit dem Feind – Die Geschichte

Das Leben der niederländischen Auschwitz-Überlebenden Roosje Glaser steht im Mittelpunkt der Ausstellung „Tanzen mit dem Feind“. Bei einem Besuch im Konzentrationslager Auschwitz im Jahr 1987 stößt der 1947 in Maastricht geborene und als Kind einer katholischen Familie aufgewachsene Paul Glaser auf einen Koffer, auf dem sein Familienname steht. Durch diesen Zufall entdeckt er neben seinen jüdischen Wurzeln die Lebensgeschichte seiner Tante Roosje, die jahrelang innerhalb der Familie verschwiegen wurde.

Roosje wurde 1914 in Nijmegen geboren. Sie galt als eine emanzipierte und temperamentvolle Frau und leitete erfolgreich mehrere Tanzschulen, als 1940 die Nationalsozialisten die Niederlande besetzten. Die NS-Herrscher zwangen sie in die Illegalität. Als ihr Ehemann Leo sie verriet, begann Roosjes Leidensweg durch sieben Konzentrationslager. Wieder und wieder wurde sie durch weitere „Freunde“ verraten und landete 1943 in Auschwitz. Nachdem Roosje 1945 selbst die Todesmärsche, auf denen sie mit zahllosen anderen Häftlingen von KZ zu KZ getrieben wurde, überlebte, ging sie nach ihrer Rettung durch das schwedische Rote Kreuz nach Stockholm und begann dort ein neues Leben.

Roosje Glaser war keine bekennende Jüdin, keine Widerstandskämpferin, die für ihre Ideale den Kopf hinhielt. Vielmehr zeichnet die Ausstellung die Geschichte einer unbeugsamen Frau nach, die mit dem Mut der Verzweiflung um ihr Leben kämpfte. Für ihr Überleben spielten Musik und Tanz eine tragende Rolle. Tanzen bedeutete für Roosje Überleben. Anhand von Briefen, Tagebüchern, Dokumenten, originalen Fotoalben und Filmfragmenten wird die Tragik und Zerrissenheit, aber auch die Leidenschaft der historischen Figur Roosje Glaser sichtbar. Durch ein multimediales Ausstellungsdisplay mit innovativen Bauelementen sowie mit vielen originalen Exponaten und atmosphärischen Gegenständen und Möbeln wird die damalige Zeit erlebbar. Neben der Biografie der furchtlosen Roosje Glaser wird durch die Ausstellung aber auch anschaulich, dass „Auschwitz“ bis in die Lebensgeschichten der folgenden Generationen hineinreicht.

Grundlegend für die Ausstellung ist die 2015 auf Deutsch im Aufbau-Verlag erschienene Biografie „Die Tänzerin von Auschwitz“, die ihr Neffe Paul Glaser aus Roosjes Tagebüchern, Briefen und anderen Schriftstücken zusammenstellte. Die Ausstellung ist vom Museum „Herinneringscentrum Kamp Vught“ (Erinnerungszentrum Lager Herzogenbusch) erstellt worden. Die Ausstellung und ein umfangreiches Rahmenprogramm lassen uns darüber nachdenken, wie wir uns als „Zweitzeugen“ aufstellen und gegensteuern, wenn Rassismus, Antisemitismus und Nationalismus in unserer heutigen Gesellschaft wider erschreckende Ausmaße annehmen. (Stefan-Maria Mittendorf, Kurator)

FÜHRUNGEN
P.ART Galerie

Ausstellungsführung für Schulklassen
Paul Glaser erzählt die Geschichte seiner Tante Roosje und wie er das Familiengeheimnis entdeckte
Eintritt und Führung für SchülerInnen frei! Vorherige Anmeldung erbeten unter: s.mittendorf@pasinger-fabrik.com
Do, 25.04.2024  11.00 Uhr
Do, 25.04.2024  14.00 Uhr

Umfangreiches Lernmaterial für Lehrer*innen und Schüler*innen in deutscher Sprache zu den Themen „Verrat und Widerstand als Haltung und Tat“ sowie  „Über das Leben in Westerbork und Auschwitz“ findet sich auf der Bildungsplattform der Roosje Glaser Foundation unter nachfolgendem Link https://www.roosjefoundation.org/docenten

Inklusive Ausstellungsführung
Paul Glaser und Kurator Stefan-Maria Mittendorf führen im Gespräch durch die Ausstellung „Tanzen mit dem Feind“. Verdolmetschung in deutsche Gebärdensprache.
Eintritt: 6,00 Euro / 4,00 Euro
Führung frei!
Do, 25.04.2024  18.00 Uhr

Ausstellungsführung
Kurator Stefan-Maria Mittendorf führt durch die Ausstellung
Eintritt: 6,00 Euro / 4,00 Euro
Führung frei!
Sa, 11.05.2024  19.00 Uhr

WIE WIR WURDEN, WAS WIR SIND
Interdisziplinäre Ausstellungsreihe über neue Formen der Erinnerungskultur 21.02. – 19.05.2024

In den Ausstellungen Generation Transmission, Picturedund „Tanzen mit dem Feind“, welche die Pasinger Fabrik unter dem Titel „Wie wir wurden, was wir sind“ zusammenfasst, beschäftigen sich sowohl bildende wie darstellende KünstlerInnen aus einander gegenüberliegenden Perspektiven mit prägenden Mustern nachfolgender Täter- wie Opfer Generationen. Worüber wurde in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg, der Shoah gesprochen und worüber wurde geschwiegen. Diese Erbschaft zwischen den Generationen lebt weiter als Geschichte in jedem von uns und bildet den Kern dessen, dem sich die Pasinger Fabrik, begleitet von einem reichhaltigen Rahmenprogramm, widmet.

 

RAHMENPROGRAMM

EMPFÄNGER UNBEKANNT / Szenische Lesung

von Kathrine Kressman Taylor in der Theaterfassung von Heidi Zernig.
„Man darf über diese Geschichte nicht sprechen – zumindest nicht mit denen, die sie noch nicht gelesen haben!“, heißt es über diesen 1938 erstmals veröffentlichten Roman, der in bewegender Schlichtheit die dramatische Entwicklung einer Freundschaft in wechselvollen Zeiten erzählt: „Was heute anderen widerfährt, kann morgen dir passieren“, lautet die Botschaft der ehemals besten Freunde Max und Martin, die sich an diesem Abend, gespielt von Michael von Au und Stefan Wilkening, auf immer verlieren.
Sa, 20.04.2024  20.00 Uhr
Kleine Bühne
Szenische Lesung
Eintritt: 18,00 Euro / 15,00 Euro
Ticket

UND DOCH SO WAR ES / Szenische Lesung

Ich sollte nicht leben.
Es ist ein Fehler.
Ich wurde am 12. Januar 1930 geboren. Dreimal sollte der Tod mich ereilt haben. Die Gründe, warum ich überlebt habe, sind in dem Verlangen zu sehen, meine Geschichte zu erzählen.
Die durch Film und Bühne bekannten Schauspieler Max Herbrechter und Philip Henry Brehl führen ein berührendes Zwiegespräch zwischen dem jungen, in den Lagern von Auschwitz und Dachau Unmenschliches erduldenden und schließlich älteren Überlebenden Leslie Schwartz.
Nun bin ich 80. Wenn ich erzählen will, so muss es jetzt sein.
Di, 23.04.2024  20.00 Uhr
Kleine BühneSzenische Lesung
Eintritt: 18,00 Euro / 15,00 Euro
Ticket

FORMEN DER ERINNERUNGSKULTUR IN ZEITEN VON RECHTSPOPULISMUS / Podiumsdiskussion

Ein Rückblick auf die erinnerungskulturellen Debatten zeigt, dass diese in der Vergangenheit vornehmlich innerhalb des „herkunftsdeutschen“ Kollektivs geführt wurden. In der heutigen postmigrantischen Gesellschaft muss die Deutungshoheit über die NS-Vergangenheit in Deutschland zwingend neu verhandelt werden. Die Notwendigkeit einer inklusiven postmigrantischen Erinnerungskultur, die alle Menschen in der Gesellschaft anspricht, unabhängig von ihrer Herkunft und ohne moralische Selbsterhöhung, soll in der Diskussion erörtert werden. Eine postmigrantische Erinnerungskultur sollte Auschwitz nicht nur „zur Signatur eines ganzen Zeitalters“ werden lassen, wie Jürgen Habermas schrieb. „Sie soll auch als Kompass für humanistische und universalistische Identifikationen funktionieren“.
Podium:
Felizitas Raith M.A., Historikerin, Pädagogisch Leitung Max Mannheimer Studienzentrum
Micky Wenngatz, Stadträtin, Vorsitzende von „München ist bunt! e.V.“
Paul Glaser, Autor und Neffe, Roosje Glasers
Moderation: Sabine Brantl, Leitung Archiv Haus der Kunst
Mi, 24.04.2024  19.00 Uhr
P.ART Galerie / Podiumsdiskussion
Eintritt: 10,00 Euro / 8,00 Euro
Ticket


PINK LADY MIT ROSALIE WANKA UND MILONGA FÜR ALLE


Tanzsolo von und mit Rosalie Wanka ausgezeichnet mit dem Preis für die beste Kreation beim Solocoreografico Festival Torino 2022
Rosalie Wanka spielt mit Elementen soziokultureller Herkunft und Genderidentität und kreiert im Tanz eine Identität, die sich nicht definieren lässt. Ihre Bewegungen schwanken zwischen der Sinnlichkeit des Tangos und der Konkretheit akrobatischer zeitgenössischer Tanzarbeit. Die Tänzerin fühlt sich gefangen, zwischen einer Erwartung von Weiblichkeit, mit der sie bewusst gerne spielt und den körperlichen Bewegungsmöglichkeiten, die durch geschlechtsnormative Konventionen – z.B. das Tragen von High Heels, stark eingeschränkt werden können.
Im Anschluss Tanzfläche frei für Milonga mit DJane Ani Andreani
Sa. 11.05.2024 20 bis 23 Uhr
P.ART Galerie / Tanz
Eintritt: 15,00 Euro / 10,00 Euro
Ticket